25 Mai 2006

Das verrückte Notebook

Computer sind manchmal recht eigenartige Wesen, sie sollen zwar dazu da sein die Befehle ihrer Benutzer auszuführen, aber es kommt dennoch sehr häufig vor, dass sie schlimmer sind als kleine Kinder und scheinbar machen was sie wollen. Um einen Rechner zu beherrschen muss man nicht nur wissen, was man genau von ihm will (daran scheitert es meißt schon bei vielen), sondern auch, wie man ihm das "sagt".

Ich hatte vor kurzem einem Bekannten angeboten sein neues Notebook nach seinen Vorstellungen einzurichten. Was ich nicht ahnte war, dass seine Vorstellungen etwas eigenartig (aber für ihn sinnvoll) waren. Er wollte neben dem vorinstallierten Windows XP eine alte DOS-Version im Dual-Boot-Betrieb laufen lassen. Das "Installations-Medium" für die DOS-Installation waren 4 Disketteninhalte (NICHT Images) auf einer CD, die NICHT bootfähig war. Das Notebook konnte zwar von USB-Diskettenlaufwerken booten, aber ein solches hatte ich auch NICHT zur Hand. Dazu musste auch noch das Problem mit der Partitionierung gelöst werden. Letzteres ging sehr leicht mit dem Programm GParted, welches es auch als Linux-Live-CD gibt, mit der ich es dann auch gemacht habe. GParted kann sogar NTFS-Partitionen verkleinern, allerdings nur am Ende, weswegen ich auf der Festplatte am Ende eine relativ kleine FAT16 Partition angelegt hatte.

Mit einem Image einer DOS-Boot-Diskette aus dem Internet hatte ich es dann geschafft eine Bootfähige CD zu erstellen, die zumindest scheinbar das DR-Dos installiert hatte. Leider konnte die Fat16-Partition nicht gebootet werden. Ich war natürlich der Meinung, es läge an der Tatsache, dass die Partition so weit hinten lag und DOS sie nicht sehen konnte, aber ich irrte mich, was ich allerdings erst nach einer Neu-Partitionierung und Neuinstallation von Windows XP herausfand.

Das Installationsprogramm für DOS war, so wie es war, völlig unbrauchbar und ich musste mir etwas neues einfallen lassen. Ich bastelte mir aus dem Festplatten-Image meines alten 386er (hab ich hier mal vorgestellt) eine Boot-CD (diesmal mit Festplatten-Emulation) und habe die dort installierte DOS-Version manuell installiert. Jetzt gab es natürlich noch das Problem des Boot-Managers. Der Einfachheit halber wollte ich eigentlich den von Windows XP nutzen, aber der konnte mit dem extrahierten Startsektor der DOS-Partition nicht viel anfangen. Aber ein Linux-Mensch, wie ich gibt ja nicht so schnell auf ;-) Die Lösung hieß für mich ganz klar GRUB! Dieses bemerkenswerte Stück Software behauptet von sich, dass es alle Betriebssysteme starten kann und, soweit ich es beurteilen kann, zu Recht. Also nochmal mit Gparted gebootet, die DOS-Partition um einige MB verkleinert, und eine EXT2 reingehauen, Knoppix gebootet und Grub installiert. Als dann beim Reboot das Grub-Menü geladen wurde hätte ich nicht glücklicher sein können ;-)

Der Bekannte hat also jetzt ein Notebook mit DOS, Windows XP und einem Linux-Bootloader, aber kein Linux. Es klingt verrückt, aber es funktioniert. Ich habe ihm dann alerdings noch eingeimpft, dass er es tunlichst vermeiden sollte die Grub-Partition zu löschen, weil er sonst seinen Rechner nicht mehr booten könnte.

Alles in allem habe ich den Kampf "Mann gegen Notebook" knapp nach Punkten gewonnen ;-)

Kommentare:

lothar hat gesagt…

Es ist zwar eine Definitionssache, aber ich würde mal sagem: "kein Grub ohne Linux" Mach meiner Definition ist auf der Platte doch ein Linux; zwar ein kleines, aber immerhin. Es ist ein ext2 Filesystem drauf, es ist eine Linux Verzeichnisstruktur drauf und es ist wahrscheinlich ein Kernel drauf. Am Kernel würde ich festmachen, ob auf der Platte ein Linux System ist. Was ich jetzt nicht weiss ist, braucht der Grub einen Kernel, damit er läuft, oder nicht?

snoopy1alpha hat gesagt…

Also ein Linux liegt nur dann vor, wenn es wirklich einen Kernel gibt. Auf der ext2-Partition sind lediglich Grub-Dateien zu finden, vor allem die Stage1.5- und die Stage2-Datei. Letztere ist das Programm, was ausgeführt wird. Ich weiß nicht, inwieweit es Kernel-Fragmente enthält, aber es ist meiner Meinung nach kein vollwertiger Linux-Kernel.
Übrigens würde ich nicht anhand eines Dateisystems auf ein Betriebssystem schließen, sonst würde mein MP3-Player ja mit Windows laufen ;-)