05 März 2006

Teufelskreis

Windows ist das Standard-Betriebssystem im privaten und auch im geschäftlichen Bereich. Obwohl Linux in fast allen Bereichen überlegen ist, lässt sich Windows von den Desktops der Mehrheit nicht verbannen. Die Vorzüge von Linux würden den Rahmen dieses Artikels sprengen, weswegen ich sie im Einzelnen in einer späteren Artikelreihe behandeln möchte. Hier geht es einzig und allein um Windows und warum sich viele von uns einfach nicht davon trennen können oder wollen.
Das fängt schonmal bei der Hardware an, viele Hersteller programmieren ihre Treiber ausschließlich für Windows. Die Kosten wären höher als der Gewinn, der sich durch den zusätzlichen Verkauf der Hardware an Linux-User erzielen ließe, zumindest aus der Sicht der Hersteller. Es gibt glücklicherweise ausreichend viel Hardware, die unter Linux mit Standard-Treibern lauffähig ist, obwohl es die wenigsten Hersteller für nötig halten ihre kompatiblen Produkte als solche zu kennzeichnen. Zumindest bei denen die ein "Designed for Microsoft-Windows" Emblem tragen kann man davon ausgehen, das der Grund eine Finanzspritze aus Redmond ist. Um festzustellen, ob der eigene PC Linux-Kompatibel ist empfiehlt es sich eine Knoppix-CD zu booten.
Das zweite und größere Hauptproblem ist die Software, die es für Windows und nicht für Linux gibt. Für die meißten alltäglichen Aufgaben gibt es in der Open-Source-Welt von Linux angemessene oder bessere alternativen zu Windows-Programmen. Allen voran ist natürlich die Open-Office-Suite zu nennen. Benutzer, die aber auf Spezialsoftware angewiesen sind, schauen bei Linux einfach in die Röhre. Diese, in der Regel verdammt teuren Programme werden aus dem selben Grund nicht für Linux entwickelt, wie die oben beschriebenen Treiber. Hier gibt es zwar schon Lösungsansätze in Form von Wine und Crossover Office (basierend auf Wine), aber mit ihnen laufen die Programme, wenn überhaupt, erheblich langsamer als unter Windows (Manche Programme sollen schneller laufen, siehe Kommentare) und es ist für den Normalanwender recht kompliziert.
Das Argument des Spielens ist zwar für viele Anwender ein sehr wichtiges, aber darüber habe ich mich ja bereits in einem früheren Artikel ausgelassen. Die Spieleentwickler entwickeln aus dem selben Grund, wie die Software-Hersteller und die Treiberprogrammierer nur für Windows.
Im Endeffekt haben wir hier, wie der Titel schon sagt, einen Teufelskreis. Kaum einer macht etwas für Linux, weil es nur von wenigen als Desktop-System genutzt wird. Auf der anderen Seite nutzt es kaum einer als solches, weil viele Programme und Spiele nicht oder nicht so ohne weiteres unter Linux lauffähig sind.
Hinzu kommt die Angst der potenziellen Anwender, mit der Administration des Systems überfordert zu sein, weil es ja überall heißt, das Linux so kompliziert sei. Dieses Argument bekommt man oft von Leuten zu hören, die unfähig sind, Dateien per Drag and Drop zu kopieren, und wenn man es ihnen dann versucht zu erklären nicht mal wissen, was ein Fenster ist.
Eines muss man Microsoft zu Gute heißen, sie haben es geschafft ein System zu schaffen und zu verbreiten, welches selbst von blutigen Anfängern problemlos bedienbar ist. Dies geht jedoch auf Kosten der Sicherheit und der Effizienz, worauf ich aber in der bereits oben erwähnten Artikelreihe eingehen werde.

Kommentare:

lothar hat gesagt…

In einem Punkt muss ich dich leider korrigieren: mindestens die Hälfte der Programme läuft unter Wine SCHNELLER als unter Windows! Siehe auch bei: http://wiki.winehq.org/BenchMark-0.9.5

snoopy1alpha hat gesagt…

Ich lass mich doch gerne korrigieren, besonders, wenns um sowas geht :-) Diese Erkenntnis basiert ja vor allem auf eigener Erfahrung, und so viele Programme hab ich auch nicht mit Wine getestet, was vor allem daran liegt, das viele, die ich testen wollte, nicht mit Wine laufen.